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Wir haben nicht das Recht zu schweigen – Dichter gegen den Krieg

Frans Masereel | 2016 |

Frans Masereel und seine Zeitgenossen haben ihre im Widerstand gegen den Ersten Weltkrieg entwickelten pazifistischen Positionen immer wieder hinterfragt, vor allem unter dem Eindruck des Dritten Reiches. Trotzdem steht der Titel »Dichter gegen den Krieg« bis heute für das Festhalten an der Möglichkeit friedlicher Konfliktlösungen, für einen »Möglichkeits-Realismus« (Ernst Bloch), der sich das Recht auf Utopien nicht durch Politiken der Alternativlosigkeit absprechen lässt. Die Bildwelten, die das »unendliche Auge« (Stefan Zweig) Masereels schuf, sind modular, kombinieren bestimmte Motive und Themen und lassen sich dennoch in immer wieder neuen Architekturen zusammensetzen.

Die multimediale Installation greift diese Modernität ebenso auf wie Masereels Experimente im Bereich der Bühnengestaltung und des Films und verknüpft sie mit der Allgegenwart des Krieges in unserer Gesellschaft.

Die interaktive Ausstellung verbindet mehrere Darstellungsformen: Die Präsentationstafeln kombinieren Grafiken Masereels mit zweisprachigen Werkauszügen und Kurzbiografien der Künstlerinnen und Künstler aus dem internationalen Anti-Kriegsnetzwerk um Masereel. Sie bieten so einen Zugang zur Bildwelt Masereels sowie zum internationalen kulturellen, politischen und sozialen Kontext seiner Arbeiten.

Animationsfilm | Eine Projektion der animierten Bilderzählung »Die Idee« von 1932 erinnert an die Kooperation Masereels mit dem Filmemacher Berthold Bartosch. Die Musik, einer der ersten elektronischen Filmmusiken, wurde von Arthur Honegger komponiert.

Stadtbaukasten | Als Abstraktion des künstlerischen Handlungsraumes bietet ein Spielfeld die Möglichkeit, Spielsteine (Würfel) zu bewegen. Diese Bewegung wird erfasst und triggert so die Erschaffung einer Bildwelt, die Elemente aus Masereels Werk neu zusammensetzt. Dieser Prozess kann als Projektion verfolgt werden.

Monitor-Installation | Auf vier Monitoren sind Motive aus dem Werk Masereels zu sehen. Einzelbilder werden nacheinander in Bewegung gesetzt. So werden Bezüge innerhalb der Masereelschen Bildwelten ebenso erkennbar wie die Nähe der Zeichnungen zum filmischen Bild.

Großstadtsymphonie | Eine als Projektion sichtbare dreidimensionale Stadtansicht erweitert Masereels Blick auf die Stadtarchitektur seiner Zeit. Einzelne Hausfassaden sind mit Beispielen sogenannter »Großstadtsymphonien« verknüpft, einem eigenen Filmgenre, das eine Vielzahl zeitgenössischer Versuche umfasst, die Dynamik moderner Metropolen im Film einzufangen. Eine intuitive Gestensteuerung ermöglicht Besucher / innen die spielerische Erfahrung des Stadtraums und den Vergleich verschiedenster Wahrnehmungen des urbanen Geschehens.

 

Heute leben wir mit der Gleichzeitigkeit des Kriegsspiels als zentraler Freizeitaktivität (etwa im Computerspiel) und der schier endlosen Verkettung bürgerkriegsähnlicher Konflikte, die in einem grenzüberschreitenden Gewaltgeschehen miteinander verwoben sind und damit gleichzeitig fern und Teil unseres Alltags sind. Die Ausstellung bietet einen spielbasierten Zugang zu den Bildwelten Masereels, um die von ihm imaginierten sozialen und politischen Räume direkt zu verbinden mit der Frage nach den Spielräumen, die dadurch aufgezeigt oder geschaffen werden. Der Schwarz-Weiss-Kontrast der Bildsprache Masereels wird in der Gestaltung der Ausstellung betont und als Frage der Entscheidung, der individuellen und kollektiven Verantwortung inszeniert. Welche Spielräume können engagierte Darstellungsformen in Kunst und Journalismus erschließen, welche Handlungsmöglichkeiten schaffen? Die Ausstellung kann diese Frage nicht beantworten, sie greift sie auf – als Spiel.

 


Eine Kooperation von: Frans-Masereel-Stiftung | xm:lab – Experimental Media Lab der HBKsaar | Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes | Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens | Hochschule der Bildenden Künste Saar | K8 Institut für strategische Ästhetik gGmbH | Alter Schlachthof – Kulturzentrum Eupen


Konzept, Ausführung

Henrik Elburn, Hannes Kaefer, Simon Pähler, Jan Tretschok, Soenke Zehle

 



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